Jury entscheidet über den Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreis 2012
Bielefelder Filmpreis geht an Aki Kaurismäki

Die Jury der Gesellschaft zur Verleihung des Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreises hat Aki Kaurismäki einstimmig den Filmpreis des Jahres 2012 zuerkannt. Der Filmregisseur aus Finnland wird die Auszeichnung am 13. Mai persönlich entgegennehmen.

Die Matinee im Theater am Alten Markt mit Empfang und Vorführung des jüngsten Films Kaurismäkis, Le Havre, steht unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Stadt Bielefeld, Pit Clausen. Der Preisträger wird sich in das Goldene Buch der Stadt eintragen.

Die vierköpfige Jury besteht aus Christiane Heuwinkel von der Kunsthalle Bielefeld, dem Filmkritiker und Filmmusiker Daniel Kothenschulte, Stefanie Schulte Strathaus von der Berliner Arsenal und Berlinale sowie Rechtsanwalt Horst Annecke von der Bielefelder Sozietät Streitbörger Speckmann als Vorsitzendem. Die Anwälte des Bielefelder Büros dieser Sozietät haben den mit 10.000 Euro ausgestalteten Preis zum zweiten Mal in Folge finanziell gefördert.

Mit ihrer Entscheidung wahrt die Jury die Tradition des schon früher verliehenen Bielefelder Murnau‑Preises. Im Jahr 1988 zum hundertjährigen Geburtstag des in Bielefeld geborenen Stummfilmers von Weltruf Friedrich Wilhelm Murnau geschaffen, ging der ursprüngliche Preis im Zweijahresrhythmus an Eric Rohmer, Wim Wenders, Henri Alekan, Herbert Achternbusch, Jacque Rivette und schließlich an Werner Herzog. Nach einer Pause ermöglichten die Bielefelder Anwälte der Sozietät Streitbörger Speckmann einen Neustart in Jahr 2010. Erste, gemeinsame Träger des wiederbelebten Preises waren seinerzeit die Kamerafrau Elfi Mikesch und der weltweit arbeitende Film- und Opernregisseur Werner Schroeter, der Jugendjahre in Bielefeld verbracht hatte. Schroeter erlag nur wenige Tage nach der Preisverleihung seiner schweren Krankheit.

Hintergrund Aki Kaurismäki

Der 1957 geborene Filmregisseur Aki Kaurismäki, der seine finnische Heimat häufig verließ, aber stets zurückkehrte, studierte Literatur und war Hilfsarbeiter, bevor er eindrucksvoll cineastisch in Erscheinung trat. Kaurismäki ist Preisträger der Filmfestspiele in Berlin, Cannes, Tromsö, Moskau und Sao Paulo. Zudem erhielt er unter anderem den Ehrenleoparden in Locarno, den Europäischen Filmpreis und den Louis-Delluc-Preis. Seine Vorbilder sind Robert Bresson und Jean-Luc Godard. Großes Aufsehen erregte Kaurismäki im Jahr 2006, als er aus Protest gegen den Irakkrieg der USA seinen Film „Lichter der Vorstadt“ nicht als offiziellen Beitrag seines Landes für die Oscar-Nominierung freigab. Kaurismäki, der als „Melancholiker des Autorenfilms“ gilt, gehörte mit seinen sparsam, in schneller Folge gedrehten Filmen lange Zeit zu den produktivsten Filmschaffenden. Mittlerweile macht er sich rar: mit Meisterwerken, die er im Mehrjahresabstand fertigstellt. Ihm gelingen lakonische moderne Märchen ohne Goldregen und Königskinder, dafür mit einfachen Menschen – Außenseitern, die das äußere Glück der Welt nur wenig bescheint. Zuletzt, im Jahr 2011, kam Le Havre in die Kinos: mit auffallend sparsam geschminkten Schauspielern, die bereits in anderen Kaurismäki-Filmen zu sehen waren. Auch der Hund des Regisseurs, Leika, war erneut dabei. Kaurismäki braucht nicht viele Worte, um Zuneigung zu Müllmännern und Kassiererinnen, insbesondere aber zu einem gutmütigen Schuster und einem Flüchtlingsjungen aus Afrika zu zeigen. Der Grenze zum Sozialkitsch bleibt er aber stets fern. Seine Helden wahren selbst in den erbärmlichen Behausungen des Hafenviertels ihre Freiheit und Würde, und schließlich begehren sie auf. Während wortkarger Dialoge verbindet der Regisseur das müde Blau und Grün seines emotionalen Grundtons mit den kecken Farben eher zufälliger Details. Daran hätte Friedrich Wilhelm Murnau seine Freude; auch er ließ durch betont karge Bilder seine gradlinigen Geschichten umso mehr strahlen.

Fotos: © Sputnik Oy /
Marja-Leena Hukkanen