Vermutlich lag es daran, dass die Stadt Bielefeld weder eigene heroische Geschichte aktiv beeinflussen konnte, noch in ihren Mauern ehrwürdige kulturelle Vergangenheit begleiten durfte, wenn sie sich ungeschickt anstellte im Umgang mit ihren wenigen großen Söhnen. Diese behandelte sie eher stiefmütterlich. Das änderte sich – wenn auch vorsichtig – Mitte des 19. Jahrhunderts, als die industrielle Revolution Bielefeld erreichte und hier auch heute noch architektonisch beeindruckende mechanische Textilwerke errichtete. Von nun an begann die einst selbstgenügsame Krämerstadt – die noch heute mit dem „Capyttel“ das räudige Jahrestreffen der alten Bielefelder Hökergilde festlich begeht – sich stärker für die große weite Welt zu interessieren, während diese ihrerseits allmählich Kenntnis nahm von der sich wirtschaftlich mausernden Stadt am Teutoburger Wald.

Die Zurückhaltung Bielefelds wird besonders deutlich am Beispiel des am 28. Dezember 1888 geborenen Friedrich Wilhelm Plumpe, Bielefelds kulturell wohl bis heute weltbedeutendsten Bürger. Er lebte bis zu seinem 5. Lebensjahr in Bielefeld, zog mit seinen Eltern nach Kassel, studierte von 1905 bis 1910 in Berlin und Heidelberg, geriet in finanzielle Enge, als er sich mit seinem Vater überwarf. Er wurde von Max Reinhard entdeckt, der in Heidelberg eine Studentenbühne leitete. Friedrich Wilhelm Murnau – wie er sich später wohl auch aus Marketinggründen nannte – blieb in Bielefeld aber selbst dann noch unbekannt, als er die neu aufkommende Filmkunst technisch und ästhetisch wesentlich mitzuprägen verstand und in der noch jungen Filmindustrie Weltgeltung erlangte. Er entfesselte die bis dahin statische Filmkamera.

1 / 6