Das erfüllte die Bilder mit Leben. In seinen Filmen überschritt er die Grenzen zwischen Realität und Traum. Der Mensch war nicht mehr ohnmächtig dem Schicksal ausgesetzt, sondern konnte das Unheimliche durch die Tat besiegen. Das kam offensichtlich an, fesselte die Zuschauer und festigte nachhaltig die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung des Films. Murnaus Filme deuteten schon damals die künstlerische Kraft des Kinos von heute an. Der Regisseur von „Nosferatu“, „Faust“ oder „Der letzte Mann“ erwies sich als preußischer Romantiker, der die Eigenschaften deutscher Kultur in des Wortes bester Bedeutung verkörpert. An seiner feinfühligen Ästhetik müssen sich die großen Regisseure noch heute messen lassen. Er war ein Frühvollendeter, dessen Leben schon 1931 in Kalifornien bei einem Verkehrsunfall endete.

Murnaus Karriere wurde in Bielefeld auch später nur wenig zur Kenntnis genommen. Nicht einmal eine bescheidene Erinnerungsplakette an seinem Geburtshaus überstand den Umbau des Hauses. Erst zu seinem 100. Geburtstag gab es holperige Versuche, seine Weltgeltung für die Reputation Bielefelds zu nutzen. Als diese Versuche in provinziellem Hader zu münden drohten, war es die Bielefelder Bankenvereinigung – ein organisatorisches Zweckbündnis der privaten Banken der Stadt, unter zufälliger Führung von Horst Annecke, dem damals rollierend installierten Vorsitzenden –, die beherzt die Initiative ergriff und die eher platonische Diskussion über eine angemessene Würdigung Murnaus kurzerhand durch Stiftung eines Murnau-Filmpreises beendete.

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