Träger des erstmals 1988 mit Aplomb verliehenen Filmpreises war Eric Rohmer, der die nouvelle vague maßgeblich geprägt und sich mit Murnau auch wissenschaftlich auseinandergesetzt hatte. Satzungsgemäß folgte ihm zwei Jahre später als weiterer Preisträger der heute immer noch aktive Filmschaffende Wim Wenders. Aber bereits die Preisverleihung an ihn ließ ahnen, dass der Veranstalter sich nicht wirklich mit dem Preis identifizierte. So redete dessen turnusmäßig neuer Vorsitzender den Preisträger in einer offiziellen Begrüßungsansprache wiederholt mit „Jim Wenders“ an, was auswärtige Zeitungen mit süffisanten Anmerkungen kommentierten. Zwei Jahre später wurde der Preis dem „Magier von Licht und Schatten“, dem genialen Kameramann Henri Alekan, verliehen. Der Filmpreis schien sich durchgesetzt zu haben als wiederum zwei Jahre später der Preis dem umtriebigen Multitalent Herbert Achternbusch zuerkannt wurde, der den Preis ausdrücklich entgegenzunehmen versprach, schon vorab um Überweisung des Preisgeldes bat, kurz vor Verleihung aber seine Teilnahme einer angeblich gesundheitlichen Beeinträchtigung wegen absagte; seine wahre Begründung liefert er einer überregionalen süddeutschen Zeitung, in der er sich über die Naivität in Bielefeld lustig machte. Dieser Eklat wurde in Bielefeld mit leicht gequältem Humor quittiert; zumindest die Insider waren beim „enfant terrible“ Achterbusch auf eine derartige Wendung stets gefasst gewesen.

Intern begann die Suche nach einem cineastisch engagierteren Mäzen, der keine eigenen Ziele mit dem Preis verfolgt, sondern diesen selbstlos unterstützt, um das eher graue kulturelle Image der Stadt Bielefeld konturenreicher erscheinen zu lassen. Die Entfernung zwischen Bielefeld und dem Filmpreis vergrößerte sich aber noch, als der nächste Preisträger – der magische Realist Jacque Rivette – sich wegen einer nachgewiesen schweren Krankheit den Preis in einer würdigen Zeremonie fernab vom Bielefelder Publikum im Pariser Goetheinstitut verleihen lassen musste. In einer Herz erwärmenden Rede dankte er für die Ehre und würdigte Murnau als den wichtigsten Initiator der jungen Filmkunst, Worte, die im fernen Bielefeld jedoch leider kaum zur Kenntnis genommen wurden.

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