Jury entscheidet über den Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreis 2014

Bielefelder Filmpreis geht an Chantal Akerman

Die Jury der Gesellschaft zur Verleihung des Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreises hat einstimmig Chantal Akerman den Preis 2014 zuerkannt. Die Filmregisseurin und Autorin aus Belgien wird die Auszeichnung am 15. März 2015 in Bielefeld entgegennehmen. Die Preisträgerin, die krankheitsbedingt den ersten Termin im September 2014 absagen musste, freut sich darauf ihren Preis nun doch persönlich entgegennehmen zu können.

Die Matinee im Theater am Alten Markt mit Empfang und Vorführung eines Teils des Werks von Chantal Akerman steht unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Stadt Bielefeld, Pit Clausen. Die Preisträgerin wird sich in das Goldene Buch der Stadt eintragen.

Die vierköpfige Jury besteht aus der Vorsitzenden der Friedrich Wilhelm Murnau-Gesellschaft Bielefeld Christiane Heuwinkel, dem Filmkritiker und Stummfilmmusiker Daniel Kothenschulte, der Co-Direktorin des Berliner Arsenal Institut für Film- und Videokunst Stefanie Schulte Strathaus sowie Dr. Horst Annecke, Gründungsmitglied der Gesellschaft zur Verleihung des Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreises, als Vorsitzendem. Die Bielefelder Partner der Kanzlei Streitbörger Speckmann fördern den mit 10.000 Euro ausgestatteten Preis zum dritten Mal, 2014 erstmals zusammen mit der Volksbank Bielefeld-Gütersloh eG nach deren Beitritt zur verleihenden Gesellschaft.

Im Jahr 1988 zum hundertjährigen Geburtstag des in Bielefeld geborenen Filmregisseurs von Weltruf Friedrich Wilhelm Murnau geschaffen, ging der Preis im Zweijahresrhythmus zunächst an Eric Rohmer, Wim Wenders, Henri Alekan, Herbert Achternbusch, Jacques Rivette und Werner Herzog. Nach einer Pause ermöglichten die Partner der Kanzlei Streitbörger Speckmann einen Neustart im Jahr 2010. Erste, gemeinsame Träger des wiederbelebten Preises waren die Kamerafrau Elfi Mikesch und der Film- und Opernregisseur Werner Schroeter. Zuletzt, im Jahr 2012, ging der Wilhelm-Murnau Filmpreis an den finnischen Regisseur Aki Kaurismäki.

DIE PREISTRÄGERIN CHANTAL AKERMAN

Die belgische, 1950 geborene Regisseurin und Autorin Chantal Anne Akerman beeindruckte die Jury „durch ihr individuelles, streng persönliches Schaffen, mit dem sie dem europäischen Autorenkino seit über 40 Jahren eine einzigartige Stimme schenkt.“

Akermans Werk bewegt sich zwischen Dokumentation und Fiktion, zwischen Komik und Tragik, zwischen Kurz- und Langfilm, zwischen Kino und musealer Filminstallation. Sich selbst und ihre filmische Arbeit beschrieb sie als Figur in einem ihrer eigenen Spielfilme: „Eine burleske Fiktion, eine burleske Figur, die gegen Türen rennt, Gläser umstößt, fehlerhaft Französisch spricht und sich fragt, wie sie zwischen dem Dokumentarfilm oder dem, was man Fiktion nennt, und zwischen dem Autorenfilm und dem kommerziellen Film ihren Weg finden kann, die ständig zwischen den Genres hin und her springt und doch immer wieder mit sich selbst konfrontiert ist.“

Die Tochter jüdischer Holocaust-Überlebender, vom Schicksal der Eltern tief geprägt, bearbeitet dieses Thema konsequent in vielen ihrer Filme. Ihre eigene Geschichte, ihre Erfahrungen, sind die Basis ihrer Werke. So schreibt sie die Drehbücher vieler ihrer Filme selbst, spielt auch in einigen selbst mit, so auch bereits in ihrem ersten Werk „Saute ma ville“, den die damals 18jährige drehte, nachdem sie die Ausbildung an der Filmhochschule abgebrochen hatte.

So persönlich und individuell Akermans Werk auch sein mag, ist es doch auch formal streng konzipiert und bezeugt ihre Wertschätzung des strukturalistischen und minimalistischen Films, für den Filmemacher-Kollegen wie Jonas Mekas und Andy Warhol stehen.

Ihr wohl bekanntester Film „Jeanne Dielman, 23, Quai du Commerce, 1080 Bruxelles“, zeigt drei Tage im Leben einer Mutter mit ihrem Kind: ein auswegloses Dasein zwischen Kartoffelschälen, Aufräumen und Gelegenheitsprostitution. Akerman entfaltet es in langen, teilweise in Echtzeit aufgenommenen Einstellungen, bisweilen quälend langsam.

Akermans mehr als 40 Kurz- und Langfilme, in den letzten Jahren auch Filminstallationen, die in Museen und auf der documenta 11 zu sehen waren, bilden einen schöpferischen Kosmos: einzigartig, poetisch, sanft und zugleich eindringlich streng bis rigoros. Die Jury des Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau Preises zeichnet Akermans Lebenswerk „mit Freude und Überzeugung“ aus, „ein Werk, das sich dem Zeitgeist konsequent verweigert und von größtem Eigen-Sinn zeugt.“

„Als Genossenschaftsbank fühlen wir uns der Region in besonderer Weise verpflichtet“, so Thomas Sterthoff, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Bielefeld-Gütersloh zum Engagement beim Filmpreis. „Die Region ist für uns nicht nur Standort, sondern unsere Heimat. Gern übernehmen wir hier Verantwortung und unterstützen den Filmpreis im Andenken an eine Bielefelder Persönlichkeit“.

Gesellschaft zur Verleihung des Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreises e. V.

Manuskript:
MurnauFilmpreis2014_15Mar15.docx
MurnauFilmpreis2014_15Mar15.pdf

Pressekontakt: Rechtsanwalt Dr. Matthias Rose, Tel. 0521-91414-25, m.rose@streitboerger.de

 

Fotos: © Sputnik Oy /
Marja-Leena Hukkanen